Der Komponist Tzvi Avni zu Gast in seiner Geburtsstadt Saarbrücken

In der Zeit vom 7. bis 12. September 2007 hält sich der israelische Komponist Tzvi Avni in seiner Geburtsstadt Saarbrücken auf. Eingeladen wurde er aus Anlass seines 80. Geburtstages von der Landeshauptstadt Saarbrücken und von der Christlich-Jüdischen Arbeitsgemeinschaft des Saarlandes (CJAS).

Die ersten drei Tage seines Saarbrücken-Aufenthalts ist Tzvi Avni Gast der Christlich-Jüdischen Arbeitsgemeinschaft des Saarlandes. Am Montag, 10. September, um 17.30 Uhr wird er im Festsaal des Rathauses Saarbrücken – St. Johann empfangen und von Oberbürgermeisterin Charlotte Britz in seiner Geburtsstadt willkommen geheißen. Umrahmt wird der Empfang durch Ivette Kiefer, einer Lehrbeauftragten der städtischen Musikschule. Zur Aufführung kommt unter anderem ein Werk Tzvi Avnis: „Epitaph“, Piano Sonate Nr. 2 aus dem Jahre 1979. Es sprechen neben Oberbürgermeisterin Charlotte Britz und Tzvi Avni auch der Vorsitzende der Christlich-Jüdischen Arbeitsgemeinschaft Professor Herbert Jochum. Nach dem Empfang findet um 20.00 Uhr in der Hochschule für Musik des Saarlandes ein Konzert mit Werken des israelischen Komponisten statt, veranstaltet von SR 2 Kulturradio und der CJAS. Der Eintritt kostet 10 bzw. 5 Euro. Begrüßt wird Tzvi Avni dort von der Ministerin für Bildung, Kultur und Wissenschaft Annegret Kramp-Karrenbauer. Am darauf folgenden Vormittag, 11.9., um 10.45 Uhr, enthüllt Oberbürgermeisterin Charlotte Britz eine Plakette zu Ehren von Tzvi Avni, die im Eingangsbereich der städtischen Musikschule, Nauwieser Straße 3, an den Besuch Tzvi Avnis erinnern wird. Um 11.00 Uhr diskutiert der israelische Komponist in der Musikschule mit Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums am Schloss. Ein Stadtrundgang und einem Besuch der Synagoge beenden das offizielle Besuchsprogramm. Tzvi Avni fliegt am Mittwoch, 12.9., zurück nach Israel.

Tzvi Avni wurde unter dem Namen Hermann Steinke am 2. September 1927 in Saarbrücken geboren. Aufgewachsen ist er in einem Mehrfamilienhaus in der Sophienstraße 3 in St. Johann. An der Stelle des Hauses steht heute das Parkdeck der Saar Galerie. Seine Eltern waren jüdische Einwanderer aus Polen. Nach der Machtergreifung Hitlers in Deutschland begannen auch im damaligen Saargebiet erste Übergriffe auf Juden. Als sich die Bewohner des Saargebietes am 13. Januar 1935 für den Anschluss an das Deutsche Reich entschieden, begann eine erste große Fluchtwelle von jüdischen Bürgern, darunter auch die Familie Steinke, die nach Haifa in Palästina auswanderte. Dort kam nach einiger Zeit der Vater der Familie, die sich jetzt hebräisch Avni nannte, auf tragische Weise ums Leben. Nach autodidaktischen Anfängen widmete sich Tzvi Avni bald ernsthaft der Musik. Sein Lehrer war Paul Ben-Haim. Avnis Frühwerk stand unter dem Einfluss von Béla Bartók, Maurice Ravel und Claude Debussy. Ab 1962 studierte er in den USA am Columbia-Princeton Electronic Music Center. Seine Musik erhielt zunehmend avantgardistische Züge, immer aber verhaftet der jüdischen Kultur und den Einflüssen nahöstlicher Musik. Tzvi Avni wurde zu einem der berühmtesten Komponisten Israels. Er wird aber auch als große Künstlerpersönlichkeit in seinem Land geschätzt. Seine Werke werden in den Konzertsälen auf der ganzen Welt aufgeführt.

Auch in Deutschland und speziell hier im Saarland ist Tzvi Avni nicht vergessen worden. Sowohl der Saarländische Rundfunk als auch die Christlich-Jüdische Arbeitsgemeinschaft des Saarlandes pflegten und pflegen regen Kontakt zu ihm. 1997 erhielt er einen Kompositionsauftrag für Orchester durch den saarländischen Rundfunk. Die Komposition wurde im Rahmen der 1.000-Jahr-Feier Saarbrückens  im Oktober 1999 uraufgeführt. 1998 erhielt er die höchste künstlerische Auszeichnung des Saarlandes, den Kunstpreis des Saarlandes.

Konzert zu Ehren von Tzvi Avni
10. September 2007 20 Uhr
Hochschule für Musik Saar

"Phoenix" für Viola solo (2001)
Lento, rubato e espressivo
Feroce, con moto
Kolja Lessing, Viola

"Vocalise", elektronische Musik (1964)
Gespräch mit Wolfgang Korb

Aus dem Liederzyklus:
"Beside the depths of a river" (1969-75)
(Text: Mati Katz)
Beside the depths of a river
And in me's another
Osnat Kaydar, Sopran
Sebastian Voltz, Klavier

Liederzyklus "Behold Thou Art Fair" (1957)
(Text: Song of songs [Hohelied Salomos])
I am the rose of Sharon
Take us the foxes
Behold thou art fair
Osnat Kaydar, Sopran
Sebastian Voltz, Klavier

P A U S E

"Gescharim" (Brücken) für 2 Violinen (2004)
Con anima
Affettuoso, tempo rubato (attacca)
Allegretto scherzando
Joshua Epstein und Gesine Kolb, Violine

"Capriccio" für Klavier (1955/75)
Kolja Lessing, Klavier

"From my diary", 5 Stücke für Klavier (2001)
The lost Pastorale (Claude Debussy)
Heroic Fiddling (Paul Klee)
Night Song of the Flying Octopus (Joan Miró)
Sin Lieth at the Door (Cain)
Amen (Martin Buber)
Kolja Lessing, Klavier